Das CVUA Stuttgart startet den fachlichen Austausch mit dem Malbrán Institut Buenos Aires zur Erreger-Identifizierung mit MALDI-TOF MS und FT-IR

Dr. Jörg Rau

 

MALDI-TOF MS und FT-IR sind moderne Methoden, die auch bei uns den Arbeitsvorgang für die Identifizierung von Krankheitserregern stark verändert haben. MALDI-TOF MS steht dabei für Matrix-unterstütze Laser-Desorptions/Ionisations-Flugzeit-Massenspektrometrie und FT-IR für Fourier Transformations-Infrarotspektroskopie. Beide, in der Mikrobiologie verbreitet genutzte Techniken, verwenden die tatsächliche biochemische Zusammensetzung von Bakterien oder anderen Organismen, um typische Signalmuster zu erzeugen. Durch den Vergleich dieser Muster mit Referenz-Datenbanken gelingt die Identifizierung der Art oder im Falle der FT-IR sogar die Bestimmung von Serotypen oder Pathogenitätsmarkern. Die FT-IR kann zudem zur primären schnellen Aufklärung von Kontaminationsrouten genutzt werden. Beide Techniken haben sich rasant verbreitet und werden inzwischen weltweit eingesetzt.

 

Für diese Techniken der identifizierenden Spektroskopie betreibt das CVUA Stuttgart bereits seit 10 Jahren die offene Nutzer Plattform MALDI-UP im Internet. Mit MALDI-UP wird der Austausch zu Anwendungen der MALDI-TOF Massen­spektrometrie in der Mikrobiologie, sowie neu auch der FT-IR, gefördert. Wir freuen uns, dass wir nun eine wertvolle fachliche Partnerschaft mit dem renommierten Malbrán Institut in Argentinien starten können.

 

Mehrere Personen stehend vor dem Plakat des RENAEM, welches neben dem Schriftzug die Logos der beteiligten Institutionen abbildet.

Abb. 1: Auf der Tagung des RENAEM 3.11. bis 4.11.2025, Buenos Aires.
Von rechts nach links: Dr. M. Prieto, n.n., Dr. C. Vay, Dr. F. Rocca (Organisatoren der Tagung);
Dr. J. Rau (CVUA Stuttgart) [Bild: ALNIS Malbrán]

 

Vom 3. bis 4. November 2025 fand in Buenos Aires der bereits 6. Workshop des vom Malbrán Institut initiierten Netzwerks für Massenspektrometrie RENAEM (Red National Espectrometriá de Masas) statt. Das internationale Treffen konzentrierte sich auf Anwendungen der MALDI-TOF MS in der Mikrobiologie und deren Kombination mit künstlicher Intelligenz. Die für spezialisierte Workshops außergewöhnlich hohe Zahl von über 300 teilnehmenden Personen aus ganz Südamerika unterstrich die Bedeutung der Veranstaltung. Auch der Besuch des Gesundheitsministers Argentiniens Dr. Mario Iván Lugones zeigt die besondere Wertschätzung und die Hoffnungen, die in das RENAEM Netzwerk des ANLIS Malbrán gesetzt werden. Minister Lugones wies in seinen Grußworten auf die weitreichende praktische Bedeutung der Massenspektrometrie für die nationale Gesundheitsdiagnostik, insbesondere bei der Bekämpfung und Behandlung von Infektionen hin, die er selber als Arzt und Kardiologe kennt.

 

Vom CVUA Stuttgart konnte Dr. Jörg Rau bei dieser Fachtagung in Buenos Aires die Plattform MALDI-UP einer größeren Zahl an MALDI Nutzenden aus Südamerika vorstellen. Durch die direkten Gespräche mit einer Vielzahl von Nutzern der MALDI-TOF MS aus der Bakteriologie ließ sich weiteres Vertrauen in die Idee von MALDI-UP aufbauen. Die Reaktionen auf den Vortrag aus dem CVUA Stuttgart werden Türen für eine gemeinsame Zusammenarbeit öffnen – und das nicht nur in Argentinien [Abb. 1].

 

Fotocollage: Foto des historischen Eingangs des ANLIS Hauptgebäudes; Rückseite der Banknote mit stilliierten Architekturelementen und der Aufschrift Carlos G. Malbran; Logo: Eingangsportal des ANLIS stilisiert in Siegelform auf dunkelblauem Hintergrund.

Abb. 2. Hauptgebäude des traditionsreichen Malbrán-Institutes, Buenos Aires; Ausschnitt der Rückseite einer 2000 Peso Banknote; Logo ANLIS

 

Die anschließende Einladung zum Besuch des traditionsreichen Hauptsitzes des ANLIS Malbrán im Stadtteil Baccaras am Folgetag der Veranstaltung zeigte die besondere Wertschätzung unserer Beteiligung am Workshop. Die Administracion Nacional de Laboratorios e Institutos de Salud (ANLIS) “Dr. Carlos G. Malbrán” ist die nationale Gesundheitseinrichtung Argentiniens. Sie übernimmt viele verschiedene zentrale Aufgaben des Gesundheitswesens. Im ANLIS bieten zudem eine Vielzahl von Expertenlaboren spezielle Diagnostik mit hochmoderner Technik an. Die Bedeutung der Einrichtung für Argentinien zeigt sich beispielsweise auch daran, dass das Institut auf einer gängigen Banknote abgebildet ist [Abb. 2].

 

Bei der Diskussion mit der Leiterin des ANLIS Malbrán, Dr. Claudia Perandones, wurden Themen des "One Health" und die daraus abgeleiteten Ziele einer übergreifenden Diagnostik von Krankheitserregern diskutiert [Abb. 3]. Dies wird umso wirksamer, wenn wissenschaftlich basiert ein offener und gleichwertiger Austausch auch über Kontinente hinweg gepflegt wird.

 

Frau Dr. Perandones und Herr Dr. Rau stehen in einem Büro neben der Flagge Argentiniens.

Abb. 3: Dr. Claudia Perandones, Leiterin des ANLIS-Malbrán und Dr. Jörg Rau, CVUA Stuttgart, beim Besuch im Institut Malbrán, Buenos Aires [Bild: ALNIS Malbrán]

 

In den Gebäuden des Malbrán Institut [Abb. 2] wurde die bakterielle Erregeridentifizierung mit MALDI-TOF MS nun auch um die Infrarotspektroskopie [Abb. 4] und die Vollgenomanalyse ergänzt. Dieser apparative Werkzeugkasten entspricht der Ausstattung unseres Labors am CVUA Stuttgart für identifizierende Spektroskopie, mit dem wir das Zentrallabor für lebensmittelbedingte Erkrankungen in Baden-Württemberg unterstützen.

 

Genau wie am CVUA Stuttgart setzen die Spezialistinnen und Spezialisten des Servicio Bacteriologica Especial (Labor für spezielle Bakteriologie) am Malbrán Institut auf einen offenen Austausch zwischen den Anwendern. Das wachsende RENAEM Netzwerk wurde von hier aus durch die verantwortlichen Laborleiterinnen, Dr. Mónica Prieto und Dr. Florencia Rocca initiiert und im Rahmen des Instituto Nacional Enfermedades Infecciosas INEI (Nationales Institut für Infektionskrankheiten) unter der Leitung von Dr. Daniel Cisterna betrieben.

 

Eine Frau sitzt vor einem Messgerät im Labor. Auf dem Monitor ist ein Baumdiagramm zu sehen.

Abb. 4: Infrarotspektrometrie im Einsatz: Dr. Florencia Rocca vergleicht Isolate aus Krankenhäusern

 

Die Gespräche vor Ort unterstreichen, wie gut unsere Ideen und Ziele für die Diagnostik pathogener Mikroorganismen zusammenpassen. Die argentinischen Kolleginnen und Kollegen haben viel praktische Erfahrung darin, trotz knapper Ressourcen, intelligente und funktionsfähige Lösungen zu finden, die auch auf unsere Anwendungen übertragbar sind. Ein Beispiel dafür ist MALDI-BOT der argentinischen Gruppe, ein KI unterstütztes Werkzeug für Forschungszwecke, welches die Interpretation von MALDI-TOF MS Ergebnissen in der Praxis erleichtern soll. Gemeinsam mit dem Malbrán Institut können wir unsere Erfahrungen bei der Untersuchung von Mikroorganismen mit Infrarot-Spektroskopie miteinander teilen. Hier werden wir durch einen engen Austausch voneinander profitieren.

 

Wir freuen uns daher darauf, den bereits jetzt wertvollen Austausch zu MALDI-TOF MS und Infrarotspektroskopie zu intensivieren, um weltweit relevante Krankheitserreger besser zu identifizieren – für eine verbesserte Gesundheit von Menschen und Tieren.

 

 

Artikel erstmals erschienen am 10.12.2025