Baden-Württemberg

Die Untersuchungsämter für
Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit

Bericht über das Öko-Monitoring-Programm Baden-Württemberg 2005

Titelbild des Ökomonitoringberichts 2005.Einführung und Überblick

Baden-Württemberg führt im Zusammenhang mit der vom Ministerrat des Landes im Juli 2001 beschlossenen Gesamtkonzeption zur Förderung des ökologischen Landbaus zusätzlich über fünf Jahre ein spezielles Untersuchungsprogramm für Lebensmittel aus ökologischem Landbau durch. Dieses Öko-Monitoring erfolgt im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung. Lebensmittel aus ökologischem Anbau sollen systematischer und häufiger als in der Vergangenheit auf Rückstände und Kontaminanten untersucht werden. Ziel des Monitorings ist es, in dem stark expandierenden Marktsegment Verbrauchertäuschungen besser zu erkennen und das Verbrauchervertrauen in die Qualität ökologisch erzeugter Lebensmittel zu stärken.

Das Untersuchungsprogramm erstreckte sich im Jahr 2005 wieder auf ein breites Themenfeld und umfasste unter anderem den Nachweis von gentechnisch veränderten Bestandteilen, von Bestrahlung, der Verunreinigung mit Mykotoxinen, der Belastung mit Umweltkontaminanten sowie von Rückständen von Pestiziden in Obst und Gemüse und an pharmakologisch wirksamen Substanzen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs.

Ziele des Monitoring sind:

  • Statuserhebung der Belastung ökologisch erzeugter Lebensmittel mit Rückständen und Kontaminanten,
  • Vergleich von Öko-Lebensmitteln aus einheimischer Produktion mit Öko-Produkten anderer Herkunft,
  • Feststellung irreführender Kennzeichnung beim Hinweis auf ein Erzeugnis nach der Öko-Verordnung und
  • Vergleich von Öko-Lebensmitteln mit konventioneller Ware.

 

Das Öko-Monitoring-Programm ist ein Gemeinschaftsprojekt der vier Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter Baden-Württembergs (CVUA), wobei das CVUA Stuttgart die Koordination und den zusammenfassenden Bericht übernimmt.

Im Jahr 2005 wurden folgende Themen bearbeitet:

  • Gentechnisch veränderte Pflanzen (Kap. 3),
  • Bestrahlung (Kap. 4),
  • Mykotoxine (Kap. 5.),
  • Nitrat in Tiefkühlspinat (Kap. 6),
  • Organochlor- und Organobrom-Kontaminanten in Lebensmitteln tierischer Herkunft (Kap. 7),
  • Dioxine (Kap. 8),
  • Pharmakologisch wirksame Substanzen (Kap. 9),
  • Pflanzenschutzmittel in pflanzlichen Proben (Kap. 10),
  • Haltbarkeit von ökologisch und konventionell hergestellten Brühwürsten (Kap. 11).

 

Zusammenfassung

Gentechnisch veränderte Organismen (GVO)
Wie auch in den beiden vergangenen Jahren wurden bei keiner Probe GVP-Anteile über 0,1% festgestellt. Bei Maiserzeugnissen waren sowohl bei konventioneller Ware als auch bei Öko-Produkten nur geringfügige Verunreinigungen festzustellen. Auffälliger waren die Unterschiede bei Sojaprodukten, bei immerhin 15% aller konventionellen Sojaerzeugnisse resultierten Anteile von gentechnisch veränderter Soja über dem Kennzeichnungsgrenzwert von 0,9%.

 

Bestrahlung
Bei keinem der untersuchten Erzeugnisse konnte eine Bestrahlung nachgewiesen werden. Bei den konventionellen Erzeugnissen, die auf Bestrahlung untersucht wurden, konnte bei rund 2% eine Bestrahlung nachgewiesen werden.

 

Nitrat in Tiefkühlspinat
Öko-Spinat wies tendenziell niedrigere Nitrat-Gehalte auf als konventionelle Ware. Die Untersuchungsergebnisse der Vorjahre 2002 bis 2004 zeigen eine vergleichbare Korrelation.

 

Mykotoxine
Die Bildung von Mykotoxinen ist entscheidend von den Witterungsbedingungen während der Blüte auf dem Feld (Fusarientoxine) sowie von den Lagerbedingungen nach der Ernte (Ochratoxin A, Aflatoxine) abhängig. Signifikante Unterschiede zwischen Erzeugnissen aus ökologischem Anbau bzw. daraus hergestellten Produkten und konventioneller Ware konnten nicht festgestellt werden.

 

Organochlorverbindungen in Lebensmitteln tierischer Herkunft
Wie die Auswertungen von Milchprodukten (Käse, Butter), Eierteigwaren und Fertiggerichten aus dem Jahr 2005 zeigen, ergibt sich insgesamt eine gleichartige Belastung bei ökologisch und konventionell erzeugten Produkten. Die Belastung dieser Lebensmittel mit chlor- und bromorganischen Kontaminanten und Pestiziden sowie Nitromoschusverbindungen ist generell niedrig, wobei DDT und teilweise HCB noch die höchsten Konzentrationen aufweisen.

An Säuglings- und Kleinkindernahrungsmittel werden besondere Anforderungen in Bezug auf sehr geringe Gehalte an Pestizidrückständen und Kontaminanten gestellt. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Säuglings- und Kleinkindernahrungsmittel außerordentlich gering, d.h. unterhalb von 1 µg/kg Frischgewicht kontaminiert sind. Es gibt hier keine relevanten Unterschiede zwischen den Produkten aus ökologischer und denen aus konventioneller Erzeugung. Geringe Unterschiede zeigen sich eher bei der Differenzierung nach den verwendeten Zutaten tierischen Ursprungs.

 

Dioxine
Im Jahr 2005 wurden insgesamt 112 Proben im Rahmen des Öko-Monitorings auf Dioxine und dioxinähnliche PCB untersucht. Auffällige Unterschiede im Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln wurden nicht festgestellt.

 

Pharmakologisch wirksame Substanzen
Rückstände an pharmakologisch wirksamen Substanzen waren in Öko-Erzeugnissen nicht nachweisbar.

 

Pflanzenschutzmittel
Die Rückstandsgehalte in Lebensmitteln aus ökologischem Landbau unterschieden sich von konventionell erzeugten Lebensmitteln signifikant. Der mittlere Pestizidgehalt aller untersuchten Öko-Obstproben lag bei 0,016 mg/kg, wenn alle als ökologisch bezeichneten Proben in die Berechnung einfließen (ohne Bromid, Piperonylbutoxid und Rotenon). Er lag bei 0,002 mg/kg, wenn die Berechnung unter Ausschluss der beanstandeten Proben erfolgt, bei denen der Verdacht besteht, dass es sich um konventionelle Ware oder um einen Verschnitt mit konventioneller Ware handelt (hier waren vor allem Zitrusfrüchte und Tafeltrauben auffällig). Bei Öko-Gemüse lag der mittlere Pestizidgehalt bei 0,009 mg/kg, wenn alle als ökologisch bezeichneten Proben in die Berechnung einfließen (ohne Bromid, Piperonylbutoxid und Rotenon). Er lag bei 0,003 mg/kg, wenn die Berechnung unter Ausschluss der beanstandeten Proben erfolgte, bei denen der Verdacht besteht, dass es sich um konventionelle Ware oder um einen Verschnitt mit konventioneller Ware handelt (hier waren vor allem Paprika und Karotten auffällig). Konventionelles Obst und Gemüse enthält dagegen im Mittel 0,4 mg Pestizide pro kg (Bei der Berechnung wurden Bromid und Oberflächenkonservierungsstoffe nicht mit einbezogen).

Bei Öko-Zuchtpilzen, die 2005 zum ersten Mal umfangreicher beprobt wurden, war jede 4. Probe zu beanstanden. Hier wurde 2005 vermutlich in erheblichem Umfang konventionelle Ware mit einem Öko-Zeichen vermarktet. Die Untersuchungen werden 2006 fortgeführt.

Die von verschiedenen Seiten immer wieder vertretene Auffassung, dass sich Lebens­mittel aus ökologischem Landbau und aus konventioneller Produktion wegen der allgemeinen Umweltkontamination und auf Grund von Abdrift kaum unterscheiden, ist zumindest für den Bereich Pestizidrückstände in pflanzlichen Lebensmitteln nicht zutreffend.

Die Untersuchungen zeigen erneut, dass eine allgemeine Höchstmenge von 0,01 mg/kg für Pestizide in Lebensmitteln aus ökologischem Anbau wünschenswert und realistisch wäre und erheblich zur Stärkung des Verbrauchervertrauens in ökologische Lebensmittel beitragen könnte.

Im letzten Jahr haben sich die Vermarktungsstrukturen für Öko-Ware noch einmal deutlich verändert und Bio-Erzeugnisse werden verstärkt auch bei großen Discountern angeboten. Allgemein wird festgestellt, dass mehr Bio-Ware verkauft werden könnte als angeboten werden kann. Im Vergleich zu den Vorjahren war die Beanstandungsquote bei frischen Erzeugnissen deutlich höher: 8,4% 2005, nur 3,6% 2004 und 4,5% 2003. Bislang zeigen die Untersuchungsergebnisse keine Unterschiede zwischen Bio vom Discounter und Bio von anderen Anbietern. Die Ursachen für den Anstieg der Beanstandungsquote wegen irreführender Öko-Kennzeichnung liegen vermutlich bei der zielgerichteten Untersuchung bestimmter Lebensmittel und weniger bei der deutlich gestiegenen Nachfrage nach Öko-Lebensmittel. Da bei einem knappen Angebot Verfälschungen besonders lukrativ sind, soll der Markt 2006 aufmerksam beobachtet werden.

 

Haltbarkeit von ökologisch und konventionell hergestellten Brühwürsten
Die Ergebnisse zeigen, dass die Hersteller von Nitritpökelsalz-freier Öko-Brühwurst die verminderte Haltbarkeit bei der Festlegung des Mindesthaltbarkeitsdatums oftmals nicht ausreichend berücksichtigen.

 

 Weitere Informationen:

Bericht über das Öko-Monitoring-Programm Baden-Württemberg 2005 - Gesamtbericht

 

Bericht erschienen am 05.06.200620:51:28

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